Den Kunden nicht aus dem Blick verlieren. Philips zeigt, wie es nicht geht.

von Moritz Machner im Januar 2012 in Allgemein

Ich habe mir zu Weihnachten mal einen modernen Flachbild Fernseher gegönnt. Das alte Röhrengerät wurde nach Jahren etwas altersschwach. Nach einigen Tagen der Benutzung fällt auf, dass der Hersteller Philips bei der Entwicklung an alle gedacht hat, nicht aber den zahlenden Kunden. Dinge, welche in der analogen Welt noch problemlos möglich waren, funktionieren in der Digitalen dank DRM anscheinend nicht mehr. So kann der integrierte Videorecorder nicht einmal das, was der erste VHS Rekorder vor ca. 30 Jahren schon konnte, vorspulen zum Beispiel. Es könnte ja jemand über die Werbung spulen. Das die Festplatte verschlüsselt ist, welche man dafür an den TV anschließt und anschließend nicht am PC läuft, versteht sich in dem Kontext ja schon fast von alleine. Von der fehleranfälligen Software mal abgesehen, welche sicherlich noch sechs Monate getestet gehört hätte, fallen noch weitere Dinge auf. Zum Beispiel sortiert das Gerät alle verschlüsselten Sender schön zwischen die anderen, so dass man beim Umschalten immer darauf landet. Weder bietet Philips eine Option diese Sender zu löschen oder sie nach hinten zu sortieren. Klar man könnte es per Hand machen, aber ist es kundenfreundlich 400 Sender per Hand umsortieren zu müssen?

Man erkennt ein Schema

Der Kabelanbieter hat natürlich ein Interesse daran, jeden so lange mit PayTV Kanälen zu belästigen, bis er entnervt das Abo bucht. Auch hat der Sender ein Interesse daran, das man nicht bei einer Aufnahme über die Sendung spult. Aber im Interesse des Philips Kunden ist das nicht. Eine E-Mail an den Hersteller ergab als Antwort eine lange Liste an „MÜSSEN“ und „DÜRFEN NICHT“. Ja in Großschrift. Ich bin zwar kein Jurist, aber so wie ich die rechtliche Lage verstehe, darf man zwar keinen „wirksamen Kopierschutz“ umgehen. Ob nun ein „nicht spulen“ Bit im Datenstrom eines unverschlüsselten Senders ein „wirksamer Kopierschutz“ ist, ist die Frage. Der DVB-T USB Stick für den PC denkt hier auf jeden Fall anders als der TV.

Wenn die Lobby wichtiger wird, als der Kunde

Man hat sich anscheinend so tief mit den Lobbyisten der Rechteverwerter, Sender, Kabelanbieter und Medienkonzernen ins Bett gelegt, dass man den Kunden komplett aus den Augen verloren hat. Die klassische negative Fallstudie in diesem Bereich ist glaube ich Sony. Sony war in den 80ern der führende Hersteller für mobile Unterhaltung und auch in vielen Bereichen führend im Bereich des HIFIs. Sie haben diese Sparte mit dem Walkman erst gegründet und die Audio-CD zusammen mit Philips entwickelt. Eine Erfolgsgeschichte. Dann wurden in den 90ern irgendwann „Medien“ hip. Man wollte nicht mehr nur Geräte Herstellen, nein die Zukunft lang in Medien. So kaufte Sony einige Labels der Musikindustrie und baute daraus Sony Music. Es kam, wie es kommen musste. Bei jeder technischen Entwicklung rannten nun die Manager aus der Mediensparte schreiend im Kreis. Kopierschutz, DRM, Nutzergängelung wo es nur ging stand auf der Tagesordnung. Mit dem „bösen Internet“ und dem „MP3 Fluch“ war es dann völlig vorbei. Die MiniDisc ist ein Beispiel dieser Zeit. Ein eigentlich gutes Produkt wurde so dermaßen eingeschränkt, das es sich nicht durchsetzten konnte. Z.B. konnten die PC Laufwerke nichts mit den Musik Discs anfangen, es hätte ja jemand etwas kopieren können. Warum man dann per analogem Kabel 60 Minuten Musik in 60 Minuten Zeit per Hand überspielen musste? Was außer reiner Schikane soll es sonst gewesen sein. Ich persönlich halte es moralisch für vollkommen legitim, wenn man seine gekauften CDs der Einfachheit halber auf dem PC archiviert und dann bei Gelegenheit auf sein Mobilgerät transferiert. Bei Sony sah man das anscheinend anders. Den Rest der Geschichte kennt übrigens jeder: Der iPod kam auf den Markt, er war in Sekunden mit den MP3s gefüllt und hat sich um den Rest nicht geschert. Die Angst vor „Raubkopien“ hat sich auch nicht bestätigt, denn iTunes ist inzwischen im Windschatten des iPods zum weltweit größten Musikhändler geworden. Sony dagegen spielt im HIFI und speziell im mobilen Musikmarkt nur noch eine untergeordnete Rolle. Beides denke ich sind Lehrstücke, welche in keiner BWL Vorlesung fehlen sollten. Wie ruiniert man ein Produkt und langfristig ein Geschäft, wenn man die Interessen seiner zahlenden Kunden nicht an erste Stelle legt, sondern stattdessen auf die falschen Freunde aus irgendeiner Lobby hört. Ich für meinen Teil kaufe nur noch Geräte bei Unternehmen, wo ich als Kunde im Mittelpunkt stehe, und das ist mir sogar einen Aufpreis wert. Sollen die anderen doch sehen, ob die Lobbyisten dann die Geräte kaufen, welche sie verhunzt haben.
Tags dieses Artikels: Kunden, Philips und Unternehmensstrategie

Es gibt einen Kommentar zu diesem Artikel.

Andiraptor am Dienstag, 25.09.2012

USB-Recording wertlos. Ich selber verletze keine Rechte , wenn ich Sendungen für mich privat aufzeichne. Aus diesem Grund sollte Philips wohl reagieren und mittels Softwareupdate dieses Problem zu beheben. Die zugesagten Funktionen sind ohne Internetanschluss nicht nutzbar. Das bedeutet Philips betrügt die Kunden, die kein Internet haben oder wollen. Wie dehmlich muss man sein, wenn die Bedürfnisse des Kunden ausser Acht gelassen werden? Was schließt man daraus? Ist die Chipverschlüsselung nicht per Firmwareupdate zu deaktivieren!!!?

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Moritz Machner

Mitbegründer von 42he. Technischer Kopf und Chefentwickler mit Passion für schlanke Designs.


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