Firmen und ihre Kernkompetenzen

von Moritz Machner im Juli 2014 in Unternehmensstrategie

Die meisten Firmen wissen nicht, was Ihre Kernkompetenz - ihr Wettbewerbsvorteil - ist. Man glaubt gar nicht, wie oft die eigene Stärke völlig falsch eingeschätzt wird. Anhand von zwei prominenten Beispielen möchte ich das einmal erläutern.

Der “Mobile” Markt ist ja zur Zeit in aller Munde. Was viele nicht wissen, ist, dass die ersten BlackBerrys keine Handys waren, sondern Pager. Die damaligen Mobilfunknetze waren noch nicht ausgebaut, an Bandbreite und Geschwindigkeit wie heute war noch nicht zu denken. Dagegen gab es die alten Pager-Funknetze, mit denen man Textnachrichten auf “Pipser” schicken konnte. Die große Innovation von RIM / Blackberry war es nun, eine Infrastruktur zu schaffen, welche E-Mails über diese Pager Netze senden und empfangen konnte.

Als die Handynetze dann irgendwann Daten konnten, übertrug man das Konzept auf diese Netze. Auch hier war man erfolgreich, weil Datenübertragung noch recht teuer war, die BlackBerry-Protokolle aber ja ursprünglich für Pager-Netze entwickelt wurden und deshalb sehr wenige Daten benötigten. Als Apple 2007 mit dem ersten iPhone die Provider dazu brachte Daten-Flatrates einzuführen, war dieser Vorteil weg. Seitdem konnten die normalen Internetprotokolle mit normalen Internetservern diese Funktionen übernehmen. Die speziellen BlackBerry-Protokolle, Server und Endgeräte hatten ihren Hauptvorteil verloren. BlackBerry hatte verschlafen, dass mit der Verbreitung des mobilen Internets ihr größter Wettbewerbsvorteil verloren geht. Das sture Verneinen von Touchscreens als mögliche Tastatur verschaffte dem Wettbewerber Apple dann ein paar Jahre Vorsprung und die deutlich bessere Technologie. Heute liegt der Anteil neuer Geräte von BlackBerry fast bei 0.

Auf der anderen Seite Apple, welches inzwischen mit dem iPhone und der sogenannte “Post PC Area” das meiste Geld verdient. Hier hält man die Integration von Hard- und Software (und Retail) nach eigenen Aussagen für das Erfolgsrezept. Auch gutes Design und Marketing werden oft in diesem Zusammenhang genannt. 
Das ist aber meines Erachtens nur die halbe Wahrheit. Apple hat es immer geschafft, dass sich die Nutzer mit der Aura des Kreativen umgeben können. Es gab kaum eine Filmproduktion, einen Grafikbetrieb oder eine Werbeagentur, die nicht eine einzige Mac-Landschaft waren. Und diese Power User waren es, die Apple als Trendsetter groß gemacht haben. Diesen Punkt sieht man bei Apple aber anscheinend nicht, oder man hält ihn für unwichtig.
Seit Jahren setzt man lieber auf den Prosumer und den Consumer. Der reine Markt für professionelle Nutzer ist Apple zu klein geworden. Der eingestellte XServer, der technisch veraltete MacPro, die für Profis abgewertete Videoschnittsuite FinalCut Pro oder die Foto-Software Apperture. Wo man nur hinguckt, der Markt hat für Apple anscheinend keine Priorität mehr. Nur was passiert, wenn die Trendsetter von Morgen bald andere Produkte nutzen?

Und ja, gerade Handy-Imperien kommen und gehen, siehe RIM (BlackBerry) oder Nokia. 
Tags dieses Artikels: Apple, Blackberry und IT Strategie

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel.

Ben am Montag, 04.08.2014

Als Geist, der stets verneint, hätte ich da mal eine ketzerische Frage. Könnte es nicht sein, dass Apple damit genau das tut, was Blackberry damals versäumt hat?

Deren Problem ist ja, dass sie mit ihren datensparsamen Pager-Protokollen kaum noch irgendwo reüssieren können. Was, wenn nun im Falle von Apple die Filmproduktion, der Grafikbetrieb und die Werbeagentur genau das sind, was für Blackberry halt deren speziellen Protokolle, Server und Endgeräte waren? Nämlich für einige Zeit das Kerngeshäft, am Ende aber nicht mehr wirklich relevant?

Und was, wenn Apples gelungener Sprung in den Pro- und Consumermarkt exakt das Gegenstück zu dem ist, was Blackberry mit dem nicht gelungenen Sprung auf Touchpad und Apps am Ende gefehlt hat?

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So, jetzt noch ein bissel Manöverkritik, die anschließend gelöscht werden kann. Normalerweise lasse ich ja nicht den Grammar-Nazi raushängen, aber hier frage ich mich schon, ob es wirklich so gut ist, dass die Deutschlehrer von heute ihre Schüler nicht mal mehr mit dem Rohrstock schlagen dürfen! Zitate, ohne Garantie auf Vollständigkeit:

"Pager Funknetze", "Pager Netze" (zweimal), "Seit dem", "Handy Imperien", "Post PC Area" (!!), "Mac Landschaft", "Power User", "Foto Software".
Aber daneben auch "Ihre Kernkompetenz", "richtigem mobilem", "der *so genannte* “Post PC Area”", "Trendsetter von Morgen".

Schlimm genug, aber liest denn bei euch keiner Korrektur? Und nein, der Mann mit dem Lovebus zählt in dem Zusammenhang nicht, aber vielleicht der Herr Antje! So, und ich schau mir jetzt mal an, wie es bei den Jungs in der Regel endet:

https://www.youtube.com/watch?v=N4vf8N6GpdM
https://www.youtube.com/watch?v=c3y0CD2CoCs

Axel von Leitner (42he Team Mitglied) am Montag, 04.08.2014

Hey Ben,

Danke für den Kommentar. Wenn wir mal einen Deutschlehrer suchen, dann werden wir sicherlich an dich denken ;-)

Gruß,
Axel

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Moritz Machner

Mitbegründer von 42he. Technischer Kopf und Chefentwickler mit Passion für schlanke Designs.


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