Company Building: zwischen Konsequenz und Verantwortung – das Beispiel 37signals

von Axel von Leitner im Februar 2014 in Allgemein

Vorgestern machte eine Ankündigung der amerikanischen Softwareschmiede 37signals die Runde durch die einschlägigen Technologie-Blogs. Man hat sich entschlossen nur noch ein Produkt zu betreiben und alle anderen Produkte abzustoßen oder ohne weitere Entwicklung liegen zu lassen. 37signals ist in erster Linie bekannt für die Projektmanagement Software Basecamp, hat aber auch eine CRM Software, einen Gruppenchat und eine Reihe anderer Software Lösungen entwickelt. Außerdem ist einer der Gründer der Erfinder von Ruby on Rails - der Programmiersprache, mit der auch wir ausschließlich arbeiten. Wie viele andere sehen auch wir 37signals als Vorbild, sowohl im Hinblick auf die Art wie sie ihre Firma bauen und gestalten, aber auch im Hinblick auf ihre Liebe zum Detail bei der Produktentwicklung. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, sie haben unseren Stil der Softwareentwicklung und insbesondere auch unsere Entscheidungsfindung (z.B. bei neuen Funktionen) maßgeblich beeinflusst. Aus der geschäftlichen Sicht könnten wir als Betreiber einer CRM Software sicher eher glücklich sein, dass sich ein internationaler Wettbewerber vom Spielfeld verabschiedet. Dennoch bin ich mehr oder weniger schockiert über diese Entscheidung, zeigt sie doch eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber den eigenen Kunden.

Wie viel Konsequenz darf sein?

37signals ist bekannt für die teils sehr konsequenten Entscheidungen, zum Beispiel bei dem Verzicht auf einzelne Funktionen. Und das müssen sie auch, als Anbieter von einfacher Software für den Massenmarkt. Anders ist es jedoch, wenn man ein etabliertes Produkt betreibt und dieses einen maßgeblichen Teil der Wertschöpfung der Kunden ausmacht. Für kleine Unternehmen ist eine CRM Software wie die unsere oder auch wie Highrise ein fester Bestandteil, wenn nicht die Grundlage aller wichtigen Prozesse. Und bei 37signals kommt noch hinzu, dass die Lösungen zumindestens über einen Single Signon Integriert sind. Das heißt die Kunden von CRM Software, Gruppenchat und Projektmanagement haben einen Vorteil dadurch, dass sie alles aus einer Hand beziehen. All das geht den Kunden verloren, weil das Team oder die Gründer sich entschlossen haben nur noch für die Projektmanagement Lösung zu arbeiten. Seit der Ankündigung gestern frage ich mich also, wie weit die Konsequenz in den eigenen Entscheidungen gehen kann oder sollte. Ist es in Ordnung den eigenen Kunden zu offenbaren, dass man einzelnen Dienste verkaufen oder im „Maintenance Mode“ auf Halde schieben will, nur um zu 100% an dem liebsten Baby zu arbeiten? Oder muss eine Firma dann so Konsequent sein und erkennen, dass sie sich selbst in die Situation gebracht hat und nun eine Verantwortung für die gewonnenen Kunden trägt? Meine Entscheidung steht fest: Bei so stark komplementären Produkten muss die Verantwortung überwiegen und der Spaß an der „One-Product-Company“ muss hinten anstehen.
Tags dieses Artikels: Startup und Unternehmensstrategie
LinkedIn Facebook Twitter WhatsApp

Und was denken Sie? Schreiben Sie einen neuen Kommentar. Wir freuen uns auf Ihren Beitrag.


Axel von Leitner

Mitbegründer von 42he. Beschäftigt sich mit den betriebswirtschaftlichen Dingen und steckt viel Herzblut in Design & Usability.
Axel schreibt insbesondere über Produktivität, Design und Startup-Themen.


Lesen Sie mehr Artikel aus der Kategorie Allgemein:
  • CentralStationCRM – Prezi
  • Sinn und Unsinn von Rechtesystemen
  • IT Strategie: Warum KMUs nicht der “Enterprise IT“ folgen sollten