Fairness to the people: Appell für mehr Stil zum Ende einer Zusammenarbeit

von Axel von Leitner im Oktober 2013 in Allgemein

Aller Abschied ist schwer und scheiden tut weh. Es gibt viele Sprichwörter, die sich mit dem Ende einer Beziehung beschäftigen und sie gelten im Privaten und im Geschäftlichen. Ich will mich hier dem Ende einer Zusammenarbeit im Geschäftsleben widmen. Ob im Angestelltenverhältnis oder mit einem Freelancer ist im Grunde nebensächlich. Ach und dieser Artikel basiert nicht etwa auf einer wahren Geschichte innerhalb von 42he, sondern auf der Beobachtung einer entfernt bekannten Firma. Wenn Geschäftsbeziehungen oder Anstellungsverhältnisse enden, kommt es immer wieder zu merkwürdigem, meist unfairem Verhalten auf beiden Seiten. Häufig gibt es gar keinen gravierenden Konflikt zwischen Unternehmensleitung und Mitarbeiter/Freelancer. Dennoch höre ich immer wieder, wie - Verzeihung - stillos zum Ende einer teils langjährigen und für beide Seiten erfolgreichen Beziehung miteinander umgegangen wird. Es gibt natürlich verschiedene Arten, wie man es schafft, die Zusammenarbeit mit einem bitteren Beigeschmack zu beenden. Zeichen, die ich bereits mehrfach gesehen habe, sind: Nach dem Wochenende oder Urlaub können sich Betroffene dann auf einmal nicht mehr einloggen und keiner weiß, aber jeder ahnt, warum.

Absehbarkeit der Kündigung

So mancher Arbeitgeber denkt, der Mitarbeiter ahnt vielleicht noch nichts und er hat das Überraschungsmoment auf seiner Seite. Vielleicht will der Mitarbeiter oder Freelancer es nach der Kündigung der Firma heimzahlen, alle Daten mitnehmen oder sogar Dinge löschen? Wer das als Arbeitgeber denkt, der sollte sich bitte ernsthaft fragen, ob er oder sie wirklich so dumme Leute eingestellt hat. Menschen bekommen mit, ob sie wertgeschätzt werden, man ihnen vertraut oder eben jenes Vertrauen schwindet. Insofern kommt das Ende selten so plötzlich, wie sich so mancher Chef wünscht. Wer böswillig ist, sich selbst bereichern oder der Firma schaden will, der hat das längst getan oder fühlt sich durch das ihm entgegengebrachte Verhalten erst recht dazu ermutigt. Der Rechner des Kollegen oder die rumliegenden Dokumente tun dann im Zweifelsfall ihren Dienst. Und wenn es wirklich so überraschend kommt, dass selbst der Betroffene noch nichts davon mitbekommen hat, dann sollten Sie vielleicht noch einmal über die Plausibilität des Grundes nachdenken. Nicht persönliche Ursachen wie Insolvenzen klammere ich hier jetzt mal aus.

Langfristige Auswirkungen von fehlender Fairness

Ich habe oben mit Sprichwörtern begonnen, hier mache ich weiter: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Und wenn Sie den Mitarbeiter oder als Mitarbeiter den Arbeitgeber selber nicht noch einmal sehen, dann wird man über den anderen sprechen. Mit Freunden, Kollegen und vielleicht mit wichtigen Leuten aus der Branche. Wenn etwas offensichtlich unfair ist, dann bietet das stets Material für Klatsch und Tratsch und wird entsprechend verbreitet. Firmen, die ihre ausscheidenden Mitarbeiter unfair behandeln, sind ebenso unbeliebt wie Arbeitnehmer, die ihrer Firma nachtreten und damit auch Kollegen schaden und durch den Kakao ziehen. Ein Beispiel hat man vor einigen Wochen vermehrt auf den Social Media Kanälen gesehen: Eine Mitarbeiterin, die ihrem Chef per Youtube Video kündigt und sich darüber beschwert, dass ihre Fähigkeiten nicht hinreichend gefördert wurden. Das Video ist lustig und es geht um Ungerechtigkeit - nach knapp 10 Tagen hatte es bereits 15 Millionen Aufrufe bei Youtube. Der Arbeitgeber steht damit zunächst in einem schlechten Licht. Eine Wendung nimmt das Ganze jedoch, als sich ihr Chef (und eine Reihe an Kollegen) zu Wort melden - ebenfalls per Video auf Youtube. Der Chef liefert außerdem ein paar interessante Hintergrundinformationen, welche die Kündigende auf einmal als ziemlich undankbar dastehen lassen. Das Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie schnell und weitreichend die Auswirkungen einer kleinen Schlammschlacht oder wie ich es nenne - fehlender Fairness - sein können. In dem Sinne: Ich bin für mehr Fairness und Vertrauen, auch zum Ende einer Zusammenarbeit. Die letzte Erinnerung an eine Zusammenarbeit sollte nicht so negativ sein, dass sie alles Vorherige überschattet.
Tags dieses Artikels: Unternehmensstrategie
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Axel von Leitner

Mitbegründer von 42he. Beschäftigt sich mit den betriebswirtschaftlichen Dingen und steckt viel Herzblut in Design & Usability.
Axel schreibt insbesondere über Produktivität, Design und Startup-Themen.


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