Goodbye deutsche Lastschrift: Die gravierenden Folgen der Umstellung auf die SEPA Lastschrift

von Axel von Leitner im November 2012 in Allgemein

SepaLogoEN Einer der neuesten Aufreger im Zahlungsverkehr ist die Abschaffung der weit verbreiteten Lastschrift. Zum Februar nächsten Jahres tritt die neue Regelung in Kraft, mit der die SEPA Lastschrift das alte Lastschrift Verfahren ablösen soll. SEPA steht für Single Euro Payments Area und soll folglich den Zahlungsverkehr innerhalb der Euro Region vereinheitlichen. Die nationalen Zahlungsverfahren werden ab dann sukzessive eingestellt - bis Februar 2014 muss alles umgestellt sein, dann ist die alte Lastschrift definitiv tot. Was zunächst so klingt als nutze man zukünftig lediglich IBAN und BIC an Stelle der Kontonummer und der Bankleitzahl bringt bei näherer Betrachtung einige gravierende Änderungen für gewerbliche Nutzer des Lastschriftverfahrens mit sich. Insbesondere Anbieter, die Online Dienstleistungen erbringen oder Produkte anbieten werden voraussichtlich einige neue, bürokratische Hürden überwinden müssen und das nicht einmalig, sondern für jeden einzelnen Kunden.

Status Quo der Lastschrift vor der SEPA Umstellung

Bislang ist es im Online Geschäft nicht notwendig, dass die Einzugsermächtigung schriftlich erteilt wird. Der Lastschrift Einzug ist im Gegensatz zu den sonstigen Zahlungsoptionen (Kreditkarte, Paypal uvm.) auch nur mit geringen Kosten verbunden. Gerade bei sehr kleinen oder sehr großen Zahlungen wird die Kreditkarte schnell unrentabel, weil die Abwickler mit festen Gebühren und einem prozentualen Anteil ordentlich hinlangen. Hinzu kommen in der Regel Grundkosten, die man für den Betrieb zahlen muss. Bei der Lastschrift zahlt man lediglich einen Cent Betrag pro Einzug und hat es mit relativ wenig Bürokratie zu tun. Es muss lediglich ein Vertrag mit der Bank bestehen und das altmodische Format zur Übertragung (DTAUS) muss generiert werden. Die Einrichtung ist etwas nervig, aber dann hält sich der Aufwand in Grenzen.

Folgen der Umstellung von Lastschrift auf SEPA

Mit der Umstellung auf das SEPA Verfahren ist der Einzug lange nicht mehr so einfach und unkompliziert, wie bei der klassischen deutschen Lastschrift. Die bisherigen Informationen sprechen von einem Mandantenvertrag, bei dem der Kunde in die Abbuchung von dem speziellen Unternehmen einwilligen muss. Der Prozess muss eindeutig dokumentiert werden und bislang gibt es kein Konzept für die Abwicklung Online. Das Szenario, dass uns jeder Kunde eine schriftliche Bestätigung zusenden muss, wir diese verarbeiten und zur Bestätigung ggf. an die Bank weiterleiten müssen, ist der blanke Horror. Dieser Prozess ist nervig und zeitraubend für den Kunden und den Anbieter. In der FAZ der vergangenen Woche las ich, dass ein weiterer Seiteneffekt der neuen SEPA Lastschrift eine Verzögerung bei dem Einzug ist. Der Auftraggeber der Lastschrift, also beispielsweise wir, muss im neuen Modell Tage vorher ankündigen, welchen Betrag er von welchem Konto abbuchen möchte. Bei sich ändernden Beträgen muss der Zahlende auch noch informiert werden, um sein Konto auffüllen zu können - bald könnten die Mobilfunker ohne Allnet-Flatrate Tarif also monatlich Nachrichten versenden müssen, um mir mitzuteilen, dass sich meine Rechnung diesen Monat auf 32 Euro anstelle von 30 Euro beläuft. Diese Ankündigungspflicht würde zu zusätzlichem Aufwand führen und die Liquiditätslage vieler Unternehmen zusätzlich verschärfen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Geld mit dem neuen Verfahren 5-10 Tage später erst beim Anbieter ist. Der Online Shopper wartet dann bei Lastschrift Zahlung also einfach ab sofort 12 anstatt 2 Tage auf seine Waren?

Einmalauswirkung der SEPA Einführung: Wegfall aller “Karteileichen”

Spätestens bis 2014 müssen alle Anbieter ihre Kunden um die neuen Zahlungsdaten, die IBAN und BIC Nummer, bitten. Die bestehenden Kontodaten können wahrscheinlich nicht automatisiert “übersetzt” werden. Die Folge wird ein Wegfall vieler Kunden auf dem Weg sein. Für einige wird der Prozess der Umstellung zu nervig oder kompliziert sein, einfach weil überhaupt eine Aktion erforderlich ist. Die Firmen müssen dann nachhalten wer umgestellt hat, in unserem Fall müssten Accounts gesperrt werden, wenn die Daten nicht eingeholt werden können und und und.

Kann man den Folgen ausweichen?

Zum einen können die Anbieter natürlich verstärkt auf andere Zahlungsoptionen, wie die Zahlung per Kreditkarte ausweichen. Gerade bei wiederkehrenden Zahlungen ist die Implementierung aber in aller Regel sehr aufwändig und außerdem ist die Zahlung per Kreditkarte mit hohen Kosten verbunden. Dem zusätzlichen manuellen Aufwand und der Bürokratie (Unterschriften einholen, nachverfolgen, ablegen, ggf. zur Verfügung stellen) wird man als Unternehmen nach heutigem Stand nicht ausweichen können. Die Folge wird mehr manueller Aufwand, eine niedrigere Marge oder ein höherer Produktpreis sein, den am Ende der Kunde zahlen muss. Einer der heute wichtigsten Bereiche, das Internet, wurde bei den Überlegungen und dem Beschluss zur Umstellung von deutscher Lastschrift auf das einheitliche SEPA Lastschrift Verfahren wieder einmal komplett außen vor gelassen. Erst entscheidet man, dann sollen sich andere überlegen, wie Online Dienste wie wir oder auch insbesondere Spendenportale die Umstellung hinbekommen können. Welche Mehrbelastung auf die primär automatisiert arbeitenden Dienste zu kommt, wenn sie zukünftig pro Kunde eine schriftliche Zustimmung einsammeln, verarbeiten und vorhalten müssen, das bedenkt niemand. Die grundsätzlich tolle Idee einer Vereinheitlichung im Euro Raum wird somit zum sehr aufwändigen Unterfangen für alle Nutzer der heutigen deutschen Lastschrift. Noch glaube ich nicht daran, dass der dann mögliche grenzübergreifende Einzug die gravierenden Nachteile der Umstellung aufwiegen können. Auch unsere Hausbank sagte mir, dass in 2013 noch einiges passieren muss, damit insbesondere die Online Dienste die Umstellung meistern können.
Tags dieses Artikels: ELV, Lastschrift, Payment, SEPA und Unternehmensstrategie

Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel.

Holger am Freitag, 23.08.2013

Das stimmt, die Umstellung ist wohl alles anderes als einfach? Bitte nicht unterschätzen! Das betrifft besonderes die kleine Unternehmen und die Freiberufler. Laut einer Statistik-Quelle wurde in Deutschland bisher in erst 712.738 Fällen die Gläubiger-ID vergeben, obwohl es bundesweit 3,6 Millionen Unternehmen gibt. http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/finanzierung/unternehmen-insolvenzen-durch-sepa/

Niklant am Donnerstag, 10.10.2013

Diese Umstellung ist ein schlag ins Gesicht für Bürger! Die EU bringt ständig neue Umstellungen, die nichts gutes bringen. Was soll eine Rentnerin mit diesen neuen Iban-Horror anfangen. Da ist der Tag mit überlangen Zahlen dann wohl verplant. Für Banken alles, nichts für Bürger. Das ist das Motto der EU.

Thomas am Donnerstag, 13.03.2014

Jede Umstellung braucht seine Zeit, aber aus meiner Sicht haben viel zu viele das Thema zu lange nicht erst genommen und jetzt rennt ihnen die Zeit davon, daher sollte jeder, der noch nicht vollständig auf SEPA umgestellt hat, die Zeit bis zum August intensiv nutzen.

Und was denken Sie? Schreiben Sie einen neuen Kommentar. Wir freuen uns auf Ihren Beitrag.


Aws4 request&x amz signedheaders=host&x amz signature=d27e419e7e895218d4dd883fcacf191fb4833dac8dd102f045fc5d03fb8a90d3

Axel von Leitner

Mitbegründer von 42he. Beschäftigt sich mit den betriebswirtschaftlichen Dingen und steckt viel Herzblut in Design & Usability.
Axel schreibt insbesondere über Produktivität, Design und Startup-Themen.


Lesen Sie mehr Artikel aus der Kategorie Allgemein:
  • CentralStationCRM – Prezi
  • Sinn und Unsinn von Rechtesystemen
  • IT Strategie: Warum KMUs nicht der “Enterprise IT“ folgen sollten