Der Fall froodies: Startup Insolvenz nicht trotz sondern wegen großer VC Finanzierung

von Axel von Leitner im Mai 2012 in Allgemein

Am Freitag war in der Webszene zu lesen, dass das Startup froodies (Lieferdienst von Lebensmitteln) überraschend Insolvenz anmelden musste. So heißt es bei Deutsche Startups: “Da es überraschend zusätzlichen Abstimmungsbedarf unter den Investoren gab, konnte die geplante zweite Finanzierungsrunde wider Erwarten nicht abgeschlossen werden. Gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter werden nunmehr Möglichkeiten für eine Sanierung des Unternehmens geprüft”. Dumm gelaufen für die Gründer, Mitarbeiter und Kunden. Ein typischer Fall nach Schema F: Erste Finanzierung, Cash Burn Rate hoch, Profitabilität in weiter Ferne, zweite Finanzierung notwendig, "abstimmungsbedarf" bei einem Investor, Insolvenz. Das muss keine Kausalkette sein, es ist aber nicht der erste und auch sicher nicht der letzte Fall, wo es genau so gelaufen ist. Mit der ersten großen Finanzierung im frühen Stadium eines Unternehmens wird das Unternehmen kostenseitig so aufgepumpt, dass es bei dem kleinsten Windstoß zwangsläufig in sich zusammen fällt. Und das diese Weg häufig sehr nahe liegt habe ich vergangene Woche erst wieder festgestellt. Ich war in einer Vorlesung für E-Business mit Studenten kurz vor ihrem Abschluss und habe dort ein paar Worte zu CRM in der Praxis und zu unserer "Gründerstory" verloren. Wie wir unser Unternehmen finanzieren und das wir dabei ohne externe Millionen auskommen, war für nahezu alle im Raum befremdlich. Ich hoffe, dass Fälle wie dieser dazu beitragen, dass die Gründer von morgen sehr genau hinterfragen ob und wieviel Geld sie für den Start benötigen.
Tags dieses Artikels: Finanzierung, Startup, Unternehmensstrategie und VC

Es gibt 6 Kommentare zu diesem Artikel.

Bankerin am Montag, 21.05.2012

> das wir dabei ohne externe Millionen auskommen, war für nahezu alle im Raum befremdlich

Es scheint ein Grundsatz vieler BWL- Absolventen- Gründer zu sein, daß das eigene private Geld bei der Gründung absolut nicht angerührt wird. Niemals!
Wenn sich niemand findet, der die ?Gründung? komplett finanziert und von Beginn an Gehalt für die ?Gründer? zahlt, dann wird nicht ?gegründet?.

So sind halt unsere BWL?er ;-).

Selfmade-Millionär am Montag, 21.05.2012

@Axel / Bankerin:

Umso besser, solange die Konkurrenz so verschwenderisch unterwegs ist, lässt sie sich doch relativ leicht ausschalten und besiegen. Dann sitzen sie auf ihren Schuldenbergen und wissen nicht wo ihnen der Kopf steht vor lauter Kosten, und man selbst fährt schön profitabel die Ernte ein.

Achso, beim Startup dürfes es natürlich auch keine Ikea-Möbel sein, der Konferenztisch muss mindestens 8.000 ? kosten, ist sonst ?peinlich?.
Cheers

Moritz am Montag, 21.05.2012

ich weiß noch von mind. einem anderen Investment einer sehr ähnlichen Investorenstruktur wie bei froodies, wo die Investoren das Startup beinahe in die Insolvenz geführt hätten durch katastrophal nachlässiges Handeln..

Michi am Montag, 21.05.2012

sehr guter beitrag. sehe ich genau so. froodies hatte kein vernünftiges konzept, aber viel geld verbraten. ich frage mich, ob die je geld verdient haben? Wie kann es denn sein, dass sobald eine finanzierungsrunde nicht klappt, die firma in sich zusammenbricht. heftig.
aber gibts denn einen internet supermarkt in D der ohne fremdes geld auskommt? wisst ihr etwas?

Ingo am Freitag, 25.05.2012

[Michi] Wie kann es denn sein, dass sobald eine finanzierungsrunde nicht klappt, die firma in sich zusammenbricht?

Das Schema ist üblicherweise das folgende:

Eine erste Finanzierungsrunde reicht in der Regel nicht aus um das Unternehmen profitabel zu machen, da der Schwerpunkt auf Wachstum liegt. Und Wachstum kostet nunmal meißtens richtig Geld.

Für weitere Finanzierungsrunden haben die Investoren der ersten Finanzierungsrunde ein Mitspracherecht, d.h. sie können eine weitere Runde beliebig lange hinauszögern. Irgendwann steht die Firma dann kurz vor der Insolvenz und der Investor hat alle Möglichkeiten, seine Forderungen (niedriege Bewertung, unrealistische Meilensteine, das Loswerden unliebsamer Gründer) durchzusetzen. Die Firma hat dann die Wahl, friss oder stirb.

Ist mir leider selber schon passiert.

Johann am Donnerstag, 06.09.2012

Ich denke man sollte sich schon sehr genau angucken, wessen Geld man da nimmt. Und zu welchen Bedingungen sowieso?

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Axel von Leitner

Mitbegründer von 42he. Beschäftigt sich mit den betriebswirtschaftlichen Dingen und steckt viel Herzblut in Design & Usability.
Axel schreibt insbesondere über Produktivität, Design und Startup-Themen.


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