Venture Capital Finanzierung von jungen Unternehmen und unvollständige Informationen

von Axel von Leitner im Januar 2012 in Allgemein

Mit einem Bekannten sprach ich vor kurzem über seine Erfahrungen bei der Finanzierung einer früheren Firma (man könnte es Startup nennen). Inspiriert durch das Gespräch habe ich über die Gründe für den großen Aufwand sowohl für den finanzierenden VC als auch für die finanzierte Firma nachgedacht. Doch von Beginn an: Bei der Finanzierung von einem jungen Unternehmen durch externe Kapitalgeber gibt es vor dem Abschluss der Finanzierung einige Dinge zu klären und vor allen Dingen offen zu legen. Bevor ein Vertrag geschlossen ist, sind daher beide Seiten sehr restriktiv und vorsichtig mit ihren Informationen - Vertraulichkeitserklärung hin- oder her. Ein Grund für dieses Pokerspiel sind unvollständige Informationen. Jeder der auch nur einen Grundkurs in BWL gehört hat, kennt den Begriff der Informationsasymmetrie (Wikipedia): zu dem Zeitpunkt des Vertragsschlusses verfügen die Vertragsparteien nicht über die gleichen Informationen. Übertragen wir das einmal auf den Fall des VC’s und des jungen Unternehmen. Der Venture Capitalist bzw. die Gesellschaft dahinter hat sicherlich einen Investmentfokus, z.B. junge Tech-Unternehmen aus Berlin (kleiner Spaß). Zu mindestens denkt man, dass man sich dort besonders gut auskennt und vor allen Dingen über gute Kontakte verfügt. Das können bestehende und etablierte Unternehmen, andere junge Firmen oder aber auch Firmen in “stealth mode” sein - also solche, die noch nicht offiziell gestartet sind und davon auch noch nichts nach außen geben. Gerade in Copy-Cat 201x ist es also gar nicht so unwahrscheinlich, dass der Finanzierer bereits andere und ähnliche Startups auf dem Schirm hat, von denen der Gegenüber (das junge Unternehmen) noch nicht einmal gehört hat. Er hat einen beachtlichen Informationsvorteil. Auf der anderen Seite sieht es ähnlich aus mit den Informationen. Wenn die junge Firma bzw. die Gründer dahinter nicht ganz ungeschickt sind, will man vor Vertragssschluss natürlich auch nicht alles offen legen, was man sich möglicherweise schon ausgedacht hat. Das können Teile der Strategie, vorhandene Kontakte oder auch andere “VC Eisen im Feuer” sein. Nun reden also beide Seiten über eine gemeinsame Zukunft, aber keiner will mit der Ganzen Wahrheit heraus rücken. Jede Seite versucht natürlich so viel wie möglich von der Gegenseite zu erfahren, um einen möglichst guten Deal für sich raus zu schlagen. Zusätzlich sichert man sich aber dennoch über Verträge und Klauseln ab. Man kann sich vorstellen, wie zeit- und nervenraubend ein solcher Prozess ist. Gerade für eine junge Firma mit limitierten Ressourcen wird so eine kleine “Due Dilligence” schnell zur Zerreißprobe. Außerdem möchte ich behaupten, dass in der Zeit wenig anderes geht. Die Produktentwicklung leidet massiv unter den Verhandlungen für eine externe Finanzierung. Und alles andere wäre aus Sicht des Startups auch grob fahrlässig, um nicht zu sagen dumm in Anbetracht der nicht gerade gönnerhaften Investoren und VC’s.

“Raising money has become a disease. Entrepreneurs are wasting lots of brainpower scheming to raise money” - Michael Lutz, CEO Gammalink


Zwar werden die Informationsasymmetrien mit Unterschrift des Vertrags kleiner, Zeit und Nerven wird das Verhältnis dennoch laufend kosten. Viel mehr junge Firmen sollten sich das sparen und sich stattdessen auf ihr Produkt konzentrieren. Viel Geld macht das Produkt nicht zwangsläufig besser.

Tags dieses Artikels: Bootstrapping, Startup, Unternehmensstrategie und VC
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Axel von Leitner

Mitbegründer von 42he. Beschäftigt sich mit den betriebswirtschaftlichen Dingen und steckt viel Herzblut in Design & Usability.
Axel schreibt insbesondere über Produktivität, Design und Startup-Themen.


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