Verschenken ist kein Geschäftsmodell! Über die verquere Wahrnehmung in Startups

von Axel von Leitner im Juni 2011 in Allgemein

In seinem Blog titelte Seth Godin vor einigen Tagen “Getting funded is not the same as succeeding”. Er spricht darüber, dass das Erhalten von Venture Capital oder die Aufnahme in Harvard immer nur ein Schritt zum Ziel, nie aber das Ziel selber sein kann. Wenn man in Zeiten der Samwer Clone lebt, ist es irgendwo verständlich, dass man das ursprüngliche Ziel hinter dem Unternehmertum oder dem Gründen einer Firma aus den Augen verliert. Wo stumpfes kopieren und schlechtes Geschäftsgebaren mit Millionen, wenn nicht sogar Milliarden Exits (so nennt man das teure verscherbeln seiner schnell hochgezüchteten Firma) belohnt wird, fragen sich die meisten Gründer gar nicht mehr, ob sie Kapital für Ihre Idee brauchen. Vielmehr geht es meistens nur noch um die Suche oder Maximierung eben dessen. Je schneller und größer der Exit ist, desto besser. Nach mir die Sinnflut. Artikel wie “Groupon: Finger weg!” zeigen, wie verkorkst diese Startups zum Teil aufgestellt sind und wie unreal das Verhältnis aus Ergebnis und Bewertung ist. Aus meiner Sicht ist es ein Unding, dass unzählige Menschen in Startups wie Groupon oder auch bei der hoch gelobten Wunderlist von den 6Wunderkindern aus Berlin arbeiten und einfach nur Geld verbrennen. Natürlich ist Wunderlist ein schickes Tool, was wunderbar funktioniert und auch wenn es das xte seiner Art ist, scheinen die Wunderkinder etwas richtig gemacht zu haben (500.000 Anmeldungen innerhalb weniger Monate). Das Argument, dass gratis natürlich gegen kostenpflichtig (z.B. Things - 7,99 €) gewinnt will ich jetzt garnicht anführen. Aber kann es richtig sein, dass mittlerweile 15-20 Leute (vielleicht stimmt die Zahl auch nicht mehr) sich präsentieren, als wären sie das nächste Google? Dem Loft in Berlin, der Apple-Vollausstattung & dem täglichen Frühstück für alle Wunderkinder steht was gegenüber? Richtig, Null Umsatz. Welch Wunder... Umso erstaunter war ich, als ich letztens über das Investment von T-Venture las. Angeblich passt das Geschäftsmodell von 6Wunderkinder hervorragend zur Telekom... Verschenken ist kein Geschäftsmodell! Ich würde wirklich gerne einen Blick in die Planungen für das Wunderkit werfen. Groupon, Wimdu, Wunderkit und Co mögen alles tolle Produkte sein - den Köpfen und Motiven dahinter kann ich allerdings so garnichts abgewinnen.
Tags dieses Artikels: Geschäftsmodelle, Startup, Unternehmensstrategie und VC
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Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel.

Johannes Vorwerk am Donnerstag, 07.07.2011

Moin Axel, weißt du was: da hast du Recht! Andererseits kann man sinnvollerweise erst dann von Leuten Geld für etwas verlangen, wenn sie einen Mehrwert haben. Viele Grüße, Johannes

Axel von Leitner (42he Team Mitglied) am Freitag, 08.07.2011

Hey Johannes, Danke für den Kommentar :)

Die Wunderlist ist auch wirklich nicht ganz verkehrt. Sie wird für alle mobilen und herkömmlichen Betriebssysteme unterstützt und die Synchronisation war bei vielen anderen To Do Listen Tools immer ein Problem. Der Mehrwert ist also definitiv da und sicher hätten Leute auch Geld dafür bezahlt.

Mal ab von den zig Mitarbeitern die da durch fremdes Kapital finanziert werden haben die alleine ordentlich Kosten für den Betrieb der Server für die Synchronisation aller User To Do?s über ihre Endgeräte hinweg.

Wenn man dagegen Anbieter wie zum Beispiel Things stellt, die mittlerweile auch einige Leute sind und diese aber komplett durch den Verkauf ihrer App finanzieren müssen, dann grenzt das schon an Wettbewerbsverzerrung.

Wir sind gespannt, wie das ausgeht ;)

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Axel von Leitner

Mitbegründer von 42he. Beschäftigt sich mit den betriebswirtschaftlichen Dingen und steckt viel Herzblut in Design & Usability.
Axel schreibt insbesondere über Produktivität, Design und Startup-Themen.


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