Gutscheinmarkt: Warum Google Offers Groupon den Rang ablaufen wird

von Axel von Leitner am 30.6.2011

Google plant mit Google Offers einen Dienst für lokale Angebote ähnlich wie Groupon und die unzähligen Gutschein Clone der letzten Monate. Verglichen zu all jenen relativ kleinen Anbietern könnte Google mit seiner Reichweite und Marktmacht Groupon allerdings als Erster den Rang ablaufen.

Google hat vor einigen Monaten bereits Interesse an Groupon bekündet und sogar ein Angebot unterbreitet (6MRD $, siehe Techcrunch). Groupon hat damals abgelehnt und Google einfach einen eigenen Service ins Leben gerufen. Für Google mit den lokalen Profilen, den lokalen Maps und der lokalen Nutzerschaft ist das Gutschein Modell eine perfekte Ergänzung. Aus meiner Sicht würde ein Geschäft wie Foursquare das Konzept abrunden und Google mit Sicherheit helfen im Kampf gegen den großen Gegner Facebook zu bestehen.

Aber gut, Facebook vs. Google steht auf einem anderen Blatt. Die Frage hier ist, ob Google Offers dem kurz vor dem Börsengang stehenden Groupon den Rang ablaufen wird. Die Ausgangssituationen könnten unterschiedlicher nicht sein. Auf der einen Seite Groupon, das angeblich über 35 Millionen registrierte Nutzer mit einer beeindruckenden globalen Verbreitung verfügt. Groupon hat ebenfalls den Kontakt zu den lokalen Anbietern.

Google auf der anderen Seite verfügt über eine weit größere Nutzerbasis. Diese ist zwar nicht automatisch für die Google Offers nutzbar, sollte aber durch Bannerwerbung und die Promotion bei den bestehenden Google Angeboten schnell zu erreichen und bewerben sein. Über eine große Nutzerbasis verfügen also beide. Die von Groupon ist aktiv, die von Google muss sie erst aktiviert werden - ist absolut aber deutlich größer.

Spannend sind in diesem Markt aus meiner Sicht zwei Entwicklungen. Zum einen das Verhältnis der lokalen Anbieter zum Gutschein Anbieter und zum anderen das Thema mobile.

Lokale Anbieter für sich gewinnen

Das Verhältnis zum Anbieter deshalb, weil genau dieses kritisch ist für die Akquisition von neuen Deals. Die Anbieter von Deals (Gastronomen, Massagestudios, etc) werden dorthin gehen, wo Sie mit vertretbarem Aufwand die beste Marge erzielen können. Wenn man bei den Kampfpreisen überhaupt von Marge sprechen kann. Groupon steckt sich heute zum Teil 50% des Gutschein Preises ein - ziemlich unattraktiv für den Werbetreibenden. Momentan ist das Modell also sehr Marketing getrieben und die Anbieter akzeptieren die einmalig niedrige Marge für den Werbeeffekt. Das wird mit der Zeit nachlassen und dann müssen die Gastronomen und Co mit ihren Deals auch noch Geld verdienen. Allerdings hatte die lokalen Anbieter bisher keine Alternative. Kaum sonst einer konnte die große lokale Reichweite bei relativ geringem Aufwand bieten. Nicht verwunderlich: Verglichen zu Groupon verspricht Google Offers schnellere und bessere Zahlungskonditionen für den Anbieter.

Mobile Gutscheine und der Bezahlprozess

Das zweite große Thema ist mobile und könnte den Gutschein Markt noch entscheidend beeinflussen. Spontane Deals, die man dann direkt über das Smartphone kauft, abwickelt und einlöst. Hier ist Groupon auf Dritte angewiesen. Groupon muss hoffen, dass die Paypals dieser Welt vorwärts gehen und das Thema in ihrem Sinne gestalten. Google hat das Problem nicht. Mit Google Wallet (bezahlen via Smartphone) haben sie ein mindestens genauso mächtiges Produkt wie Couponing kurz vor dem Start. Mit Android als stark wachsende Plattform (angeblich 500.000 neue Aktivierungen täglich) wird Google einer der ersten großen Player im mobilen Bezahlprozess sein und diese Stärke wird sich besonders bei der Abwicklung des Groupon Geschäftsmodells bemerkbar machen.

Google testet sein Angebot momentan noch in Portland, doch schon bald werden die nächsten großen Städte angegangen. Bei der Finanzstärke des diversifizierten Technologiekonzerns ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Google Leute bei den lokalen Händlern durchklingeln. Wenn Google seine Reichweite, Finanzstärke und das Zusammenspiel seiner Produkte einsetzt dürfte es für Groupon schwierig werden mitzuhalten. Neben der stark defizitären GuV (Gewinn und Verlustrechnung) wird ebenso der Start von Google Offers Auswirkungen auf den Börsengang von Groupon haben. Nur verhaspeln sollte sich die beliebte Suchmaschine nicht. Bei dem Zusammenspiel aller genannten neuen Technologien sicher auch keine ganz einfache Aufgabe.

Auch wenn ich grundsätzlich nicht davon begeistert bin, dass der Große den “Kleinen” überrollt - im Falle von Groupon hätte ich keine moralischen Bedenken. Über die Art, wie Groupon arbeitet und betrieben wird hatte ich mich in einem der letzten Artikel ja schon ausgelassen (Verschenken ist kein Geschäftsmodell).

Was ist mit den Nischen Gutschein Portale?

Auch wenn Google und Groupon die größten Anbieter sein werden - die Zentralisierung bei einem oder wenigen großen Anbieter ist in diesem Markt nicht ausschlaggebend. Es geht um die lokalen Märkte und hierfür müssen die großen Anbieter feste Deal Akquisiteure abstellen. Das kann ein lokaler Anbieter ebenso und wahrscheinlich sogar besser. Mir in Köln hilft es zum Beispiel wenig, wenn Groupon noch in unzähligen anderen Ländern der Welt unterwegs ist. Ich nutze primär die lokalen oder maximal überregionalen Deals. Das Geschäftsmodell lässt sich eben nur mit viel Manpower skalieren, was man ja an den 7.000 Mitarbeitern von Groupon sieht.
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Axel von Leitner

Mitbegründer von 42he. Beschäftigt sich mit den betriebswirtschaftlichen Dingen und steckt viel Herzblut in Design & Usability. Axel schreibt insbesondere über Produktivität, Design und Startup-Themen.