The paradox of choice - warum weniger mehr ist

von Axel von Leitner im Oktober 2014 in Allgemein

Es ist fast egal, ob wir 20, 30, 40 oder 50 Jahre in die Vergangenheit blicken: Früher waren die Menschen glücklicher. In seinem Buch untersucht Barry Schwartz das Elend.

Es ist fast egal, ob wir 20, 30, 40 oder 50 Jahre in die Vergangenheit blicken: Früher waren die Menschen glücklicher. Und das obwohl es uns heute so viel besser geht, jedenfalls wenn man sich Wohlstand, Besitz und die Vielfalt an Möglichkeiten anschaut. Mit der Begründung beschäftigt sich Barry Schwartz in seinem Buch “The Paradox of choice” (Amazon Link). Und er liefert einen unzählige Beispiele aus dem Alltag, die belegen wie sich die Vielfalt verändert hat. In fast allen Bereichen des Lebens bedeutet das genau eines: mehr Auswahl. Früher gab es einen Stromanbieter, heute ist man fast schon blöd, wenn man seinen Strom bei dem lokalen Versorger bezieht. Es reicht auch als Angestellter nicht mehr, nur die gesetzliche Versicherung zu haben. Es gibt Zusatzversicherungen in den verschiedensten Bereichen, je nach Gusto. Weiter geht es bei der Ernährung - auch dort ist inzwischen jeder von uns mit einer nicht mehr zu überblickenden Anzahl an Optionen konfrontiert. Discounter, Supermarkt, Wochenmarkt, Bio… Sie haben die Wahl.

Die Zweischneidigkeit dieser Optionsvielfalt (Individualität vs. Komplexität) wird schnell klar, wenn man den Ausführungen von Barry Schwartz folgt. Mit jeder zusätzlichen Option verliert jede einzelne der Optionen an Attraktivität, nur dadurch, dass man sich mit den verschiedenen Optionen beschäftigt. Und weil man im Kopf Optionen zusammen baut, die es so gar nicht gibt. 
Doch damit noch immer nicht genug: Wenn man sich nach dem oft langwierigen Auswahlprozess entschieden hat, schlägt die Kaufreue umso stärker zu. Hätte ich das Auto doch bloß in einer anderen Farbe genommen. Hätte ich doch bloß den Job in der anderen Stadt angenommen. 

Maximiser und Satisficer

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von “Typen” - es gibt zunächst diejenigen, die immer versuchen das Beste für sich heraus zu holen, die “maximiser” (Maximierer). Der maximiser würde am liebsten jeden Pulli anprobieren, um sicher zu sein, dass er wirklich den aus seiner Sicht besten erwischt hat. Und ohne alle angesehen zu haben, kann er ja nicht sagen, ob es nicht zwei Geschäfte weiter doch noch einen besseren gibt. 
Der zweite Typ ist der satisficer (frei übersetzt: der Zufriedengestellte). Wenn er im ersten Geschäft einen Pulli findet, der ihm schon ganz gut gefällt, dann wird er ihn mitnehmen, die Suche abbrechen und die Zeit stattdessen anders investieren. 

Das erstaunliche: Obwohl der Maximiser sicher die bessere Option bekommen hat, ist er unzufriedener als der satisficer. Maximiser sind unglücklicher, obwohl sie sich mit einer deutlich größeren Zahl an Optionen beschäftigen. 

Doch ganz so einfach ist es nicht, denn jeder von uns kann beides sein. Mal sind wir maximiser und streben nach der Perfektion, mal sind wir pragmatischer und entscheidet uns ohne alle Optionen zu sichten. Dennoch gibt es Menschen, die eher maximiser oder eher satisficer sind. 

Da satisficer grundsätzlich glücklicher sind, ist der Ratschlag also die bewusste Vereinfachung des Alltags. Wenn man sich darüber im klaren ist, in welchen Bereichen man pragmatisch sein will, dann sollte man dort auch bewusst pragmatischer sein und nicht auf Teufel komm raus doch die beste Option haben wollen. Mir ist der Fernseher zum Beispiel relativ egal. Ich werde also kurz recherchieren, mich aber dann auf Bewertungen oder einen Rat verlassen und ein Gerät kaufen. Das so gekaufte Gerät wird meinen relativ geringen Ansprüchen in dem Bereich sicher gerecht werden oder sie übertreffen. Der Effekt? Ich bin zufrieden. 
 
Ein andere Trick ist sich klare Regeln zu setzen, um Dinge nicht immer wieder und wieder zu hinterfragen. Wenn Entscheidungen final sind, dann gibt es auch keine Reue nach der Entscheidung. Das “the grass is always greener” Beispiel ist die eigene Beziehung. Schwartz beschreibt, dass nicht wenige Leute immer wieder und wieder darüber nachdenken, ob es nicht vielleicht noch einen besseren Partner für sie geben könnte. Und sie vergleichen dann einzelne Aspekte, die es in der optimalen Kombination aber ziemlich sicher nicht gibt. 
Eine Beziehung ist aber nicht wie ein Supermarktbesuch, bei dem man Milchtüten miteinander vergleicht. Der Aufruf ist klar: Steht zu euren Entscheidungen und freut euch darüber, ärgert euch nicht über Dinge die ihr nicht habt. 

Mir hat das Buch gut gefallen. Insbesondere das Fazit liefert wertvolle Tipps, wie man mit der zunehmenden Auswahl umgehen kann, um es sich einfacher zu machen und dem Zwang zu entkommen, dass jede Entscheidung wichtig ist und ganz bewusst abgewogen werden muss. Das gepaart mit einigen klasse Beispielen und Studien macht es zur guten Lektüre. Und das schreibe ich jetzt nicht, um meine Nachkaufreue zu befriedigen ;-) 

Wer nicht gleich das Buch lesen will, der findet einen Vortrag von Barry Schwartz bei TED. 



Amazon Link zum Buch
TED Vortrag von Barry Schwartz
Tags dieses Artikels: Buchtipp, Einfachheit und Produktentwicklung

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Axel von Leitner

Mitbegründer von 42he. Beschäftigt sich mit den betriebswirtschaftlichen Dingen und steckt viel Herzblut in Design & Usability.
Axel schreibt insbesondere über Produktivität, Design und Startup-Themen.


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