Sieben Dinge, die wir vom National-Team lernen können

von Sven Sester im Juli 2014 in Allgemein

Was für eine tolle WM, was für ein grandioses Finale! Damit es 2014 endlich zum 4. Stern reichte, war jedoch weit mehr nötig als sieben Spiele à 90 Minuten. Was wir von unserem Nationalteam lernen können.

1. Team schlägt Einzelkämpfer

Deutschland hatte nicht DEN Messi, oder DEN Ronaldo, sondern ein Team aus 23 Spielern. Eine Mannschaft, wo jeder für den Anderen einstand, Fehler ausbügelte, anfeuerte und am Ende den Siegestaumel genoss. Manuel Neuer hat es nach dem Finale beschrieben. Alle wollten den Titel, „die Bank“ genau so wie die Spieler auf dem Platz. Und so abgedroschen der Satz klingen mag: Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

2. Fair gewinnt

Mit Tricks wie Schwalben oder der Verunsicherungen durch den Torwart beim Elfmeterschießen lassen sich Kurzzeiterfolge erzielen, aber keine Siege holen. Zumal die Freude über einen „verdienten“ Titel unendlich viel größer wiegt, als das Gefühl sich den Sieg nur „clever“ erschwindelt zu haben.

3. Pragmatismus vor Eitelkeit

Während ein Cristiano Ronaldo oder ehemals ein David Beckham als Unterwäschemodels eine gute Figur machen mögen, Europa- oder gar Weltmeister wurden sie nie. Auch „unseren Jungs“ sind sicher ansehnlich, aber von den Eitelkeiten mancher Stars zum Glück meilenweit entfernt. Diese Nähe erlaubt es jedoch Freud und Leid mit ihnen zu teilen: wenn sie ihre Großeltern grüßen, nur noch in die Eistonne wollen oder Selfies mit der Kanzlerin schießen.

4. Kontinuität vor Hype

Deutschland war 1990 Weltmeister und ist es nun 2014 wieder. Allerdings lag dazwischen kein 20 Jahre andauerndes schwarzes Loch, sondern kontinuierliche Arbeit. Anders wären Europameistertitel, Endspielteilnahmen und zwei dritte WM Plätze nicht zu erklären. Hier hat nicht ein blindes Huhn ein Korn gefunden, sondern ein ganzer Stab aus Trainern und Verantwortlichen über Jahre hinweg geackert und die Hoffnung nicht aufgegeben. Einige Spieler standen bereits mehrfach knapp vor dem goldenen Pokal, sogar im eigenen Lande. Immer wieder mussten sie sich kurz vor dem Ende geschlagen geben - bis zum 13. Juli 2014, als der Kapitän Philipp Lahm schlussendlich die begehrte Trophäe in die Luft reißen durfte.

5. Standard kann so schön sein

Man mag im Spiel der Deutschen selten die großen Zaubereien sehen wie man sie vielleicht von einem Zidane oder einem Messi in Erinnerung hat. Trotzdem gab es neben einer großen läuferischen und kämpferischen Leistung wunderbare Flachpassspiele, tolle Ballannahmen und ein Finaltor, was dessen würdig war. Hier traf Funktion auf Leidenschaft - eine wahre Siegesmischung.

6. 80 Millionen Trainer, aber nur einer entscheidet

Nirgendwo sonst treten Besserwisser wohl so zum Vorschein wie zu einer Fußball-WM. Das beginnt bei der Aufstellung, geht nahtlos über zur Taktik und endet nicht bei der Kommentierung jedes einzelnen Spielzugs. Der Druck auf den Trainer ist enorm, denn entweder sind „wir“ am Ende Weltmeister, oder „er“ hat es verbockt. Es ist unmöglich, es allen recht zu machen. Gerade deshalb müssen Löw und seine Assistenten die Entscheidungen für das Team treffen und eine klare Strategie vorgeben. Das Risiko falsch zu liegen, besteht immer. Doch wenn er alle Wünsche selbsternannter Experten mit einbeziehen würden, wäre ein Scheitern vorprogrammiert.

7. Die meiste Arbeit sieht man nicht

Am Ende stehen nur wenige im Rampenlicht. Die würden dort freilich nie ankommen, gäbe es all die Helfer im Hintergrund nicht. Jeder, der auch nur mal ein Kreisliga-Turnier organisiert hat, weiß das. Eine Nationalmannschaft hat ihren eigenen „Rennstall“. Verletzungen müssen kuriert, Pressekonferenzen vorbereitet und Flüge gebucht werden. Auch den Bus zum Spiel fahren die Spieler nicht selbst. Ohne all die fleißigen Hände, die außerhalb der Scheinwerfer bis zur völligen Erschöpfung schuften, wären solche Turniere nicht zu stemmen.  

Wenn all diese Faktoren zusammenspielen wird es wahrhaft weltmeisterlich. Davon können wir uns einige Scheiben abschneiden - gern auch mit Nutella.


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Sven Sester

Gute Ideen scheitern leicht an schlechter Kommunikation. Deshalb wird Sven bei 42he gern kreativ in Wort, Bild und Schrift.


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