Silicon Valley, wo sind Deine Talente?

von Moritz Machner im Juni 2014 in Allgemein

Axel stellte vor einigen Tagen die Frage: “Deutschland, was sind deine Talente?” Natürlich kann man sich über den Wert von Geisteswissenschaftlern für Wirtschaft und Gesellschaft streiten. Oder über den der Bologna Reformen. Wie Gernot Hassknecht von der "Heute Show" einmal sagte, es sei egal ob jemand, der unbedingt vergleichende Religionswissenschaften studieren musste, mit 24 oder 27 Taxi fährt.

Mir geht es mehr darum, was Leute mit Ihrem aufgebauten Wissen und Ihrem Talent anfangen - zum Beispiel Absolventen der MINT Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). 
 
Nehmen wir das Silicon Valley, welches ja immer gerne als Beispiel für einen Innovationsmotor angesehen wird. Dort ist es üblich, dass die besten Absolventen der MINT Studiengänge von VC-finanzierten Unternehmen angeworben werden. Einzig um sich Gedanken zu machen, wie man “Eye Balls” zum Klick auf den Werbebanner bekommt. Oder um die hundertste sinnlose Consumer App zu schreiben, wo man mit Vögeln auf Schweine flitschen kann… Das löst sicherlich die ernsten Probleme der Menschheit. Nicht. 

Oder auch die Arbeit an Elektroautos, wie Sie im Beispiel Tesla für eine disruptive Innovation sorgen soll. Macht es Sinn, in jedes Auto tonnenweise Sondermüll, auch bekannt als Akkus, einzubauen und dann mit schlechtem Wirkungsgrad das Öl im Kraftwerk anstatt im Auto zu verheizen um die Akkus zu laden? Nein, tut es nicht. Da ist es deutlich sinnvoller den Diesel direkt zu tanken, auch wenn es nicht so “sexy” ist. Wenn wir einen riesigen Überschuss an Ökostrom hätten, natürlich - aber davon sind wir sehr weit entfernt –  die Amerikaner kennen das Wort nicht einmal. Das soll nicht heißen, dass die deutschen Autohersteller alles richtig machen, aber die Probleme liegen eher im Marketing als in der Technik. So lange es eben cool ist, einen SUV zu fahren der Dank dem Luftwiderstand eines Backsteins und Extras wie der völlig hirnverbrannten 7 Zonen Klimaanlage einen Spritverbrauch wie ein Leopard 2 hat, bringt das eben die Rendite und verhindert smarte Lösungen.  

Es gibt in Deutschland gute Beispiele, wie man Talent vernünftig einsetzt. Hier kann man zum Beispiel die Frauenhofer Gesellschaft nennen, welche Forschungsergebnisse in die Wirtschaft bringt. Auch für die Geisteswissenschaften gibt es bei den richtigen Zukunftsvisionen gute Betätigungfelder. Steve Jobs sprach zum Beispiel gerne davon, dass Apple gerne an der “Kreuzung” aus Technologie und den Freien Künsten tätig sein möchte. Es gibt genug Produkte, welche etwas mehr “Kultur” vertragen könnten. 

Am Ende kommt es darauf an, ob man etwas Neues probieren möchte, sich auch auch mal die Finger schmutzig machen kann und den Mut hat, neue Wege zu gehen. Die Feinde heißen “Haben wir schon immer so gemacht” und “Nobody ever got fired for buying IBM”. 
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Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel.

Ben am Donnerstag, 26.06.2014

Nun ja, in den USA wurden die besten Uni-Absolventen für knapp drei Dekaden lang praktisch komplett von den Banken angestellt, um dort exakt die Finanzprodukte zu ersinnen, die uns nun alle um die Ohren fliegen. Was interessiert einen schon die (womöglich vergebliche) Suche nach einem Heilmittel gegen Krebs, wenn der Job bei Lehman Brothers locker um ein bis zwei Größenordnungen besser bezahlt wird? Irgendwie müssen die sechsstelligen Schulden vom Studienkredit ja auch zurückgezahlt werden.

Ben am Donnerstag, 26.06.2014

Übrigens hätte man die Problematik wesentlich besser anhand des Pharma-Marktes darstellen können, wo es seit Jahren kaum noch echte Innovationen gibt. Diese wären halt teurer, als einfach immer wieder die gleichen Medikamente in leicht veränderter Form patentieren und "neu" auflegen zu lassen. Ausgerechnet Tesla ist hingegen ein verdammt schlecht gewähltes Beispiel, du argumentierst da fast eins zu eins so irrational und sachlich falsch, wie Greenpeace das tut: http://www.greenpeace.de/themen/klimawandel/klimaschutz/elektroautos-ganz-und-gar-nicht-co2-frei Greenpeace und du verstehen da eine Sache gar nicht: der grundsätzliche Unterschied zwischen einem E-Auto und einem konventionellen Verbrenner besteht nämlich darin, dass der Verbrenner immer mit regulärem Krafstoff laufen *MUSS*, während Stromgewinnung eben langfristig auch ohne Kohle und Öl geht. Um es plastischer zu sagen: der einzige Bereich, wo wir auf den Goodwill der Öl-Scheichs zwingend angewiesen sind, ist der Flug- und Automobilverkehr. Stromerzeugung hingegen ginge auch mit Solarenergie, Atomkraft, Wind, Wasser oder meinetwegen auch irgendwann mal mit nuklearer Fusion. Ob die Akku-Technologie letzten Endes so gut wird, dass E-Autos in der Praxis ein valider Ersatz werden, muss die Zukunft zeigen. Tesla gebührt die Ehre, diesen Weg nicht nur gegangen zu sein, sondern auch einen Weg gefunden zu haben, der die Stärken der Technologie so gut ausspielt, dass sie ihre Elektroautos verkauft bekommen. (Und unter uns: die Teile gewinnen halt einfach jedes Ampelrennen ;-)).

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Moritz Machner

Mitbegründer von 42he. Technischer Kopf und Chefentwickler mit Passion für schlanke Designs.


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