Deutschland, was sind Deine Talente?

von Axel von Leitner im Juni 2014 in Allgemein

Ein Artikel zur Innovationskraft der deutschen Automobilhersteller, insbesondere beim Elektro-Auto, fand auf Twitter viel Zustimmung.

Ein interessantes Interview zu diesem Thema führte die ZEIT mit dem Zukunftsforscher Nassim Taleb: Wir brauchen mehr Chaos!
Auf Seite zwei geht es um Deutschland und seine Rolle in der Welt. Und spätestens jetzt wird es spannend. Hier der Auszug, auf den ich hinaus will:

Dobelli (zeit.de): Macht Deutschland wirklich alles richtig?
Taleb: Das größte Risiko Deutschlands ist, dass das Niveau der Ausbildung steigt. Deutschland hat sich von einem Land der Handwerker und Macher in ein Land von Pseudointellektuellen verwandelt. Jeder schickt seine Kinder an die Hochschulen. Dort lernen sie Kant, Derrida, BWL, Finanzmathematik und ähnlichen Quatsch. Statt zu lernen, wie man Maschinen baut. Wer vor dreißig Jahren studierte, war wirklich smart. Heute aber sind die meisten Hochschulabsolventen Scharlatane, die besser eine Lehre abgeschlossen hätten. Ich bin nicht gegen Universitäten. Ich bin allerdings dafür, dass Universitäten für jene Leute da sind, die echte Wissenschaft betreiben wollen.

Dobelli (zeit.de): Aber Deutschland braucht doch gut ausgebildete Arbeitskräfte.
Taleb: Und was tun die gut ausgebildeten Arbeitskräfte? Gelingen ihnen Erfindungen? Gründen sie Firmen? Bringen sie die Welt in irgendeiner Weise voran? Die meisten werden Angestellte, Manager, in anderen Worten: Bürokraten. Bürokraten sind Menschen, die kein Risiko für ihre Entscheidungen tragen. Sie bekommen die Upside, wenn es gut läuft, und überlassen die Downside den anderen.
Quelle: Zeit.de

Der Punkt, den Taleb hier anführt, ist nicht von der Hand zu weisen. Jahr für Jahr kommen mehr Absolventen aus den Gymnasien und natürlich beginnt der Großteil ein Studium - alles andere wäre ja Quatsch… Die hohen Abbrecherquoten zeugen ebenfalls dafür, dass hier vielleicht etwas falsch läuft.

Und auch wenn Maschinenbau, Informatik & Co in Deutschland einen guten Ruf genießen, das Gros der Absolventen geht einen anderen Weg. Bei mir selbst war es nicht anders. Doch so schön Bachelor- und Master-Abschluss in den Wirtschaftswissenschaften auch sind, für meine heutige Arbeit benötige ich nur sehr wenig davon. Vieles ist sogar kontra-produktiv und muss um- oder neu gedacht werden. Die wirklich wertstiftende Arbeit in meinem Tag sind nicht der Einzug von Geld, die bloße Strategieentwicklung oder sonstige BWL-Themen.

Und, wer fühlt sich noch angesprochen?
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Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel.

Ralph Arens am Sonntag, 22.06.2014

Ich vermisse in der Geschäftswelt und besonders bei den Steuerberatern soziale Kompetenz und Empathie. Nur wenn ich die richtigen Fragen stelle, gut zuhöre und verstehe kann ich meinen Kunden einen wahren Nutzen stiften. Nur so kann ich mein Wissen einbringen. Ob diese Fähigkeiten und das Wissen darum an der Uni vermittelt werden, weiß ich nicht. Ich vermute - nein.

Ben am Mittwoch, 25.06.2014

Sicher, Technik und Naturwissenschaften sind die Grundlage unseres Wohlstandes. So gesehen spielt sich da an den Unis natürlich schon ein Trauerspiel ab. Andererseits, woher solls denn kommen, in einem Land in dem bis zur Oberstufe mehr Stunden für bekenntnisorientierten Religionsunterricht vorgesehen sind, als für Physik und Chemie zusammen?

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Axel von Leitner

Mitbegründer von 42he. Beschäftigt sich mit den betriebswirtschaftlichen Dingen und steckt viel Herzblut in Design & Usability.
Axel schreibt insbesondere über Produktivität, Design und Startup-Themen.


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