Verschlüsselung nicht nur für Mails interessant

von Sven Sester am 17.7.2014

Als meine Mutter den ICE nach Frankfurt bestieg, kam Ihr ein etwa 40 jähriger Mann entgegen. Der Zug war insgesamt gut besetzt und der Herr war gerade aufgestanden und auf dem Weg zur Tür. Froh über die Chance auf einen Sitzplatz fragte meine Mutter dessen bisherigen Sitznachbarn, ob sie sich setzen dürfe. Dieser griff neben sich mit den Worten: „Aber sicher, ich nehme nur noch eben…MEINE TASCHE!“

Wie von der Tarantel gestochen sprang der Herr auf, rannte dem Mann hinterher, der bis eben noch neben ihm gesessen hatte und schaffte es tatsächlich noch, ihn am Waggon-Ausgang zu stellen. Der hatte beim gehen seine eigene Tasche gegriffen und in der gleichen Hand auch die des Nachbarn. Auf die Forderung sie ihm sofort zurückzugeben gab ihm der Mann kommentarlos die schwarze Laptop-Tasche, sprang aus dem Wagen und lief davon. Im nächsten Augenblick schlossen sich die Türen und der Zug setzte seine Reise fort, als sei nichts geschehen.   

Zurück am Sitzplatz neben meiner Mutter konnte der Bestohlene das gerade Geschehene kaum fassen. Er erklärte, dass sei für ihn der Super-Gau gewesen. Sein Laptop, gerade mal mit einem Passwort geschützt, sein Smartphone, seine persönlichen Papiere wie Ausweis, Bankkarten und Führerschein, alles in dieser Tasche.

Festplatten sind einfach auszulesen

Höchstwahrscheinlich hatte es der Dieb auf Wertsachen und nicht gezielt auf Geschäftsdaten abgesehen, doch Gelegenheit macht Diebe, wie es so schön heißt. Mit viel Aufwand die tägliche Kommunikation zu verschlüsseln hilft nur bedingt, wenn man alle Geschäftsinterna im Klartext auf dem Rechner liegen hat - und diesen verliert. Ein einfaches Passwort schützt nur für den ersten Moment. Sobald jemand die Chance hat den Rechner aufzuschrauben, braucht er in den meisten Fällen nur noch die Festplatte herauszunehmen, ein USB-Kabel daran anzuschließen und hat sofort vollständigen Zugriff auf die Daten.

Hiergegen helfen einfache Festplatten-Verschlüsselungsprogramme wie BitLocker (Windows), FileVault (Mac) oder TrueCrypt (Plattformübergreifend). Richtig installiert merkt man diese Verschlüsselungsprogramme in der alltäglichen Nutzung überhaupt nicht. Zudem sind alle vorgestellten Lösungen gratis und im Falle von BitLocker und FileVault bereits von Hause aus installiert, müssen also nur eingerichtet werden.
Ob es sich bei dem Dieb aus dem ICE um einen professionellen Datenklau oder einen Gelegenheitsdieb handelte lässt sich im Nachhinein natürlich nicht mehr ermitteln. Fest steht, ich fühle mich wesentlich besser mit dem Wissen, dass mein Rechner und die der Kollegen verschlüsselt sind.

Bei TrueCrypt gab es in letzter Zeit Warnungen, es sei nicht mehr sicher, jedoch ließen sich bei bisherigen Audits keine Lücken feststellen. Sicherer als eine unverschlüsselte Festplatte ist es in jedem Falle.

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Sven Sester

Gute Ideen scheitern leicht an schlechter Kommunikation. Deshalb wird Sven bei 42he gern kreativ in Wort, Bild und Schrift.